HYDROGEN ONE – vernichtende erste Kritiken aber doch Potential?

Das RED Hydrogen One wurde lange sehnsüchtig erwartet, der Release immer wieder verzögert und ist nun schlussendlich im November 2018 in den USA erschienen. Was um das gehypte Gerät passiert ist und wie es sich zukünftig entwickeln könnte, haben wir hier beleuchtet.

RED One Hologramm-Phone Bewertungen nach Release

Kaum war das Handy am Markt, wurde es von den ersten Kritikern verrissen. Zu klobig, veraltete Technik, schwaches Display, schlechte Kamera, die viel erwartete Hologramm-Funktion nichts besonderes… Was dran ist und was vielleicht doch gut am Gerät ist, fassen wir hier kurz zusammen.

Berechtigte Kritik

Liest man sich auf großen Portalen wie beispielsweise notebookcheck.com Kritiken durch, erschreckt man zunächst, beziehungsweise ist enttäuscht. Dies auch zurecht, denn in der Tat enttäuscht das Smartphone in vielen Bereichen und wird dem vorherigen Hype absolut nicht gerecht. Nicht nur, dass die 3D-Technik des Displays enttäuscht und es sehr wenig Content für die 3D-Inhalte gibt, sondern auch hinsichtlich der Prozessorleistung enttäuscht das Gerät. Es arbeitet mit dem Snapdragon 835 Prozessor aus dem Jahr 2017, statt auf der neuen Prozessorvariante.

Der Trailer vermittelt Erstaunen, unglaubliche Innovation und etwas nie Dagewesenes. Letztendlich enttäuscht das Display auf ähnliche Weise wie damals das 3D-Display beim 3DS von Nintendo. Zudem ist das auf Android 8.1 basierende Gerät unhandlicher, schwerer und klobiger als andere aktuelle Smartphones am Markt. Dies alles mit einer insgesamt eher enttäuschenden Kamera, die beispielsweise um Längen schwächer ist, als die des P20 von Huawei laut Chip Test, bei einem sehr hohen Preis (ab 1.300 Dollar in der Basisvariante) führt dazu, dass die Kritiken durchaus berechtigt sind.

Hoffnungsschimmer

Die große Hoffnung, die auf dem Gerät ruht, ist der Pogo-PIN-Port an der Rückseite. Dieser weckt große Erwartungen, denn 2019 sollen eine Reihe von Erweiterungen für diesen Port erscheinen. So wird es beispielsweise möglich sein, separate Kameramodule mit dem Smartphone zu verbinden. Dies macht auch Sinn, schließlich kennt man den Hersteller als Cineast von hochwertigen Kameras für die Filmindustrie. Zwar ist es richtig, dass die integrierte Kamera enttäuscht, über das Modul könnte sich dies aber schon bald ändern.

Erst Mitte des Jahres 2018 wurde beispielsweise bekannt, dass RED in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Lucid eine 8K 3D Hologramm-Kamera auf den Markt bringen wird, die mit dem Smartphone kompatibel sein wird. Spätestens dieser Umstand sollte ambitionierte Filmer, Streamer und Hobby-Regisseure hellhörig machen. Trotz schwachem Prozessor, hohem Preis und klobiger Bauweise. Hiermit hat RED ein Alleinstellungsmerkmal, das je nach Entwicklung genau ins Schwarze treffen könnte. Im Prinzip ist die Möglichkeit, VR- und 3D-Inhalte mit dem Smartphone erstellen zu können, der logische nächste Schritt in der Smartphoneentwicklung.

RED Hydrogen One als ultimatives Streamer-Smartphone?

Schaut man sich die Entwicklung von Streams und die Zunahme von Streamern in den letzten Jahren an, dann wird schnell klar, dass es im Bereich des Livestreaming ein großes Entwicklungspotential gibt. Über Innovationen wie die von RED wird es zunehmend möglich sein, dass auch private Streamer qualitativ hochwertige und innovative Inhalte produzieren können.

Livestream Entwicklung

In den letzten Jahren hat die Bedeutung von Livestreams im Internet allgemein enorm zugenommen. Auf großen Streamingportalen wie Twitch finden sich Millionen von Videos und Streams von Privatpersonen – überwiegend Gamern – sodass die Anzahl an Zuschauern von Streams sich der Anzahl an aktiven Gamern immer weiter annähert. Auch im Unterhaltungsbereich nehmen Livestreams eine immer größere Bedeutung ein. So bieten große Casinobetreiber wie Betway heute neben den klassischen Spielen auch Livestreams an, die es ermöglichen, vom Smartphone oder dem PC aus mit echten Dealern zu spielen. Livestreams sind ein Faktor, der zu einem Boom der Online-Casinobranche beigetragen hat, indem das Spielerlebnis eines traditionellen Casinos erlebbar gemacht wurde. Selbst Sony ist im Spielebereich mittlerweile auf Livestreams aufgesprungen und bietet mit Playstation Now die Möglichkeit, Spiele nicht mehr kaufen zu müssen, sondern live über das Internet zu streamen. Trotz dessen kann der Spieler seine Figur steuern und das Spiel spielen, als hätte er es auf der eigenen Konsole installiert. Neben Livestreams nimmt auch die Bedeutung von Streams im Allgemeinen zu. Sowohl im Smart TV-Bereich als auch Anbieter wie Amazon Prime, Netflix, Maxdome & Co. profitieren stark von diesem Trend. Aufzuhalten ist er sicherlich nicht mehr. Bereits heute kann jeder ohne große Umwege Livestreams produzieren, was auch täglich Millionenfach getan wird, nämlich über die facebook App.

Mit dem RED Hydrogen One Alleinstellungsmerkmale schaffen

Wer sich heute unter der großen Konkurrenz vom Streamern einen Namen machen möchte, der wird sich zwangsläufig ein Alleinstellungsmerkmal schaffen müssen. Im semi-professionellen Bereich könnte genau hier der Knackpunkt sein, wo sich die Anschaffung des RED One lohnt. Mit der Oculus Rift, der HTC Vive, der Playstation VR und zahlreicher anderer Brillen haben es VR-Brillen bereits weit gebracht. Streams werden aber derzeit ausschließlich in 2D, bzw. das höchste der Gefühle ist sicherlich ein 3D-Stream, konsumiert. Zwar ist die Anzahl an VR Apps auch für Google Cardboard und andere einfache VR-Brillen beachtlich – im qualitativ hochwertigen Streaming-Bereich ist die Auswahl aber nahezu ausschließlich auf 360° Inhalte beschränkt.

Mit hochwertigen Attachments für das Smartphone könnte es in naher Zukunft auch für Privatanwender oder aufstrebende Streamer möglich sein, qualitativ hochwertige und hochauflösende 3D-, VR und sogar 4V (holografische) Inhalte zu produzieren und sie live über das Smartphone an die Konsumenten zu bringen. Dies bietet kein anderes Smartphone und auch sonst kaum ein Equipment, das preislich für eine Privatperson interessant wäre.

Fazit

Eins ist richtig: RED hat mit seinem neuen Smartphone vieles falsch gemacht und konnte die Erwartungen nicht wirklich erfüllen. Gerade die hervorgehobenen Alleinstellungsmerkmale wie 3D-Display – das ähnlich wie beim Nintendo 3DS funktioniert – sowie Kamera und Hologramm-Funktion, sind enttäuschend. Der Preis ist hoch, es gibt kaum zusätzliche Komponenten für den Port und für Europäer gibt es derzeit nur den Weg des Imports.

Dennoch: Gerade für die aufstrebende Streamer-Community könnte das Smartphone auf mittelfristige Sicht interessant werden, denn man muss dem Hersteller eindeutig zu Gute halten, dass er etwas neues riskiert hat und sich vom Markt abzusetzen versucht. Trotz derzeit vernichtender Kritiken könnte das Smartphone daher eine Fangemeinde finden, die vom Ansatz profitiert, was wiederum eine Weiterentwicklung vorantreiben würde. Daraus könnte sich in Zukunft ein völlig neuer Smartphone-Markt entwickeln. Allerdings ist auch klar: Für den Otto-Normal-Smartphone-Nutzer ist das Hydrogen One absolut keine Alternative – selbst nicht zu Smartphones, die 2017, 2016 oder 2015 als Top-Smarphones an den Markt gingen, denn die Technik ist mitunter vergleichbar, wenn nicht in Teilen sogar besser.

Bilder: pixabay.de

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